Einstellungen Koordinatensystem

Einstellungen Koordinatensystem legt die grundlegenden Parameter für die Koordinatenberechnung und das Höhenbezugssystem fest.

Abbildung 1. Dialogfeld „Einstellungen Koordinatensystem”

Abbildung/Höhensystem

Legt die Art des Koordinatensystems und der Bezugshöhe fest.

Bei der Auswahl der Systeme zeigt ein Tooltip die Detail-Eigenschaften des jeweiligen Systems einschließlich des EPSG-Codes an.

Abbildung

Legt das Koordinatenreferenzsystem für die Lagebestimmung fest.

Anmerkung: Örtliches System wird als "nicht amtliches, lokales Koordinatensystem" erläutert, um Verwechslungen mit dem Begriff "Örtlichkeit" bei amtlichen Systemen zu vermeiden.

Folgende Systeme stehen zur Verfügung:

  • Örtliches System

    Örtliches System ist ein Koordinatensystem, das keiner Abbildung (weder UTM noch Gauß-Krüger) entspricht. Es ist ein kartesisches, orthogonales Koordinatensystem. Die erste Koordinatenkomponente stellt den Rechtswert (Horizontalwert) und die zweite Komponente den Hochwert (Vertikalwert) dar.

    Ein örtliches System ist für kleinräumige Anwendungen gedacht. Daher wird die Gestalt der Erde nicht berücksichtigt, wie es die amtlichen Koordinatensysteme machen, die landesweit, bundesweit oder sogar europaweit gelten sollen. Die Erdkrümmung wird bei örtlichen Systemen vernachlässigt. (Die Erdkrümmung wirkt bereits ab einer Entfernung von 200 m bei einer horizontalen Linie in der Höhe merkbar).

    Bei einer Abstandsmessung zwischen zwei Punkten (im Dialogfeld Messen) wird in einem Örtlichen System der „Zweidimensionale Pythagoras“ angewendet. Abstände vom Bezugsmeridian, der Erdradius oder die mittlere Höhe im Projekt fließen dort nicht ein. Es ist der mathematisch ausgerechnete Abstand zwischen diesen beiden Punkten.

    Dies gilt auch für all die anderen Prüffunktionen im Lageplan, auf die eine Einstellung in den Abbildungen wirkt.

  • Gauß-Krüger-Koordinatensystem ohne genauere Definition

  • UTM (ETRS89) ohne genauere Definition

  • ETRS89_UTM32…System ETRS89/UTM-Zone 32

  • ETRS89_UTM33…System ETRS89/UTM-Zone 33

  • DE_DHDN_[Anzahl Grad-Streifen]GK[Nummer des Streifens]_[Abkürzung Bundesland][länderspezifischer Lagestatus]

    Beispiel

    DE_DHDN_3GK2_BW100…Deutschland (DE); Deutsches Hauptdreiecksnetz (DHDN); Gauß-Krüger-3-Grad-Streifen, Streifen 2; Baden-Württemberg, landesweit vollständig erneuertes System, Lagestatus 100

  • DE_DHDN_[Anzahl Grad-Streifen]GK[Nummer des Streifens]__RDN

    Beispiel

    DE_DHDN_3GK2_RDN…Deutschland (DE); Deutsches Hauptdreiecksnetz (DHDN), Gauß-Krüger-3-Grad-Streifen, Streifen 2; altes Lagefestpunktfeld (Reichsdreiecksnetz RDN)

  • DE_[Bezugssystem]_[Anzahl Grad-Streifen]GK[Nummer des Streifens]

    Beispiel

    DE_40-83_3GK4…Deutschland (DE); Bezugssystem 40/83; Gauß-Krüger-3-Grad-Streifen, Streifen 4

    Bezugssysteme

    40/83…durch Transformation des Staatlich trigonometrischen Netzes auf das Rauenberg Datum entstanden. Diese Koordinaten sind Grundlage für die topographische Karte - Ausgabe für die Volkswirtschaft (AV) sowie für das gesamte topographische Kartenwerk im Regelblattschnitt. Zur Abbildung der Koordinaten 40/83 in die Ebene wird die Gauß-Krüger-Abbildung in 3° breiten Meridianstreifen verwendet. Die Koordinaten liegen nur mit Dezimetergenauigkeit vor.

    42/83…Teil der 1983 abgeschlossenen Ausgleichung des Einheitlich Astronomisch-Geodätischen Netzes der osteuropäischen Länder (EAGN). 42 ist das Jahr der Bestimmung der Datumsparameter, 83 ist das Jahr, in dem das Netz I. bis V. Ordnung neu ausgeglichen wurde.

  • AT_MGI_[Zone]

    Beispiel

    AT_MGI_M28…Österreich (AT); amtliche Kurzbezeichnung für das geodätische Datum von Österreich (Militärgeographisches Institut); Zone M28 (entspricht UTM-Zone N32)

    Zonen:

    M28…Verwendung in Vorarlberg und Tirol; entspricht UTM-Zone N32

    M31…Verwendung in Osttirol, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, westliche Obersteiermark; entspricht UTM-Zone N33

    M34…Verwendung in Niederösterreich, Wien, Burgenland, übrige Steiermark; entspricht UTM-Zone N33

  • AT_BMN…Österreichisches Bundesmeldenetz (kartesisches Koordinatensystem)

  • CH_CHTRS95… Schweiz (CH); Swiss Terrestrial Reference System 1995, identisch mit ETRS89

  • CH_CH1903…Schweiz (CH); Bezugssystem der alten Landesvermessung 1903; altes, in der Amtlichen Vermessung noch heute gültiges Bezugssystem, das 1903 festgelegt und eingeführt wurde.

  • CH_CH1903+…Schweiz (CH); Bezugssystem der neuen Landesvermessung 1995; lokal gelagertes Bezugssystem der Schweizerischen Landesvermessung LV95

Lagestatus

Der Lagestatus dient in Deutschland (Landesvermessung und Liegenschaftskataster) zur Unterscheidung verschiedener Lagekoordinaten eines Punkts. Der Lagestatus kennzeichnet die Art der Koordinaten und gibt das geodätische Bezugssystem an, auf das sich die Koordinaten beziehen. Wenn mehrere Lagekoordinatenpaare für denselben Vermessungspunkt geführt werden, erhalten sie verschiedene Lagestatusangaben.

EPSG

Jedes Bezugssystem besitzt einen EPSG-Code. Der EPSG-Code ist eine weltweit eindeutige Schlüsselnummer geodätischer Datensätze wie Koordinatenreferenzsysteme, Referenzellipsoide oder Projektionen.

Ausnahme: UTM(ETRS89)

Höhensystem

Legt das Referenzsystem für die geodätischen Höhenangaben fest.

  • DE_DHHN12_NOH

    Höhe im System des deutschen Haupthöhennetzes von 1912

  • DE_DHHN12_BW130

    Höhe im "Horizont 71" (BW)

  • DE_DHHN85_NOH

    Normalorthometrische Höhe im System des deutschen Haupthöhennetzes der Wiederholungsmessungen der Jahre 1980-1985

  • DE_SNN76_NH

    Normalhöhe im System des Staatlichen Nivellementnetzes von 1976 (ehemalige DDR)

    Die Höhen werden als "Höhen über HN76" bezeichnet.

  • DE_SNN56_NH

    Normalhöhe im System des Staatlichen Nivellementnetzes von 1956 (ehemalige DDR)

    Die Höhen werden als "Höhen über HN56" bezeichnet.

  • DE_DHHN92_NH

    Aktuelle Normalhöhe im System des deutschen Haupthöhennetzes 1992 durch Zusammenschluss von DHHN85 (alte Bundesländer) und SNN76 (neue Bundesländer) zu einem Netz

    Die Höhen werden als "Höhen über NHN" bezeichnet.

  • DE_DHHN12_NKNI

    Höhe im Nordseeküstennivellement I von 1928-1931 (1937)

  • DE_DHHN12_NKNII

    Höhe im Nordseeküstennivellement II von 1949-1955 (1959)

  • DE_NIV60_NOH

    Normalorthometrische Höhe im Nivellementnetz 1960 (Westblock)

  • DE_OKN-I_NOH

    Höhe im Ostseeküstennivellement von 1896-1898 (1901)

  • DE_ALT_NN

    Höhe im "alten System" der preußischen Landesaufnahme

  • DE_VORL_NOH_BY901

    Höhe im "vorläufigen System" in Bayern

Anmerkung:

Das Höhensystem wird in VESTRA noch nicht berücksichtigt.

Eine geodätische Höhenreduktion findet nicht statt.

Projektinformationen

ermöglicht die Eingabe eines Koordinatenoffsets z. B. für die Streifen aus UTM.

Bei amtlichen Koordinaten werden oft Teile der Koordinaten weggelassen, weil diese sich nicht ändern. So gewinnt die Darstellung mehr Übersichtlichkeit.

Kommen Daten hinzu, die vollständige amtliche Koordinaten enthalten, können diese Koordinaten nicht ins Projekt übernommen werden, weil dort die Koordinaten verkürzt sind. Sind die Koordinaten verkürzt, landen die berechneten Koordinaten an einer ganz falschen Stelle.

Dasselbe gilt für den Import von amtlichen Geodaten in das Projekt.

Projekt mit verkürzten Koordinaten aktiviert die Funktion.

E [m] legt die Koordinatenänderung in horizontaler Richtung fest (Rechtswert).

N [m] legt die Koordinatenänderung in vertikaler Richtung fest (Hochwert).

Reduktionen anwenden

Steuert die Berechnungsart der Streckenberechnung und Flächenberechnung.

Alle Abbildungen außer dem örtlichen System in Einstellungen Koordinatensystem sind amtliche Koordinatensysteme.

Koordinaten, die solchen Systemen angehören, folgen vermessungstechnischen Regeln.

Diese Regeln besagen u. a.:

  • Erzeugt man mathematische Koordinaten, die sich auf diese Systeme beziehen, müssen Reduktionen angewendet werden, damit die mathematischen Koordinaten zu den amtlichen Koordinaten passen.
  • Wird aus zwei Punkten mit amtlichen Koordinaten eine Strecke gerechnet, muss diese Strecke reduziert werden, damit sie dem Abstand entspricht, der draußen in der Natur zu finden ist.

Option deaktiviert…Die Berechnungen verhalten sich wie im Örtlichen System. Dadurch kann die Reduktion in der Zwangspunktdiagnose sowie Flächenmessung und Linienmessung explizit ausgeschaltet werden, auch wenn das eingestellte Koordinatensystem eine Reduktion verwendet. Bei Streckenwerten oder Flächenwerten werden dann keine Anpassungen vorgenommen.

Die Reduktionen an Streckenwerten oder Flächenwerten wirken in folgenden VESTRA-Programmteilen:

  • Geodäsie: Verfahrensmanager
  • Auswertungen der Geodäsie
  • Zwangspunktdiagnose
  • Flächenbilanz
  • Messen
Anmerkung: Zum Teil wird angezeigt, wenn die Reduktion wirkt.

Abbildungsreduktion

Legt die Berechnungsparameter fest.

Die Abbildungsreduktion wirkt bei UTM nicht, wenn als Abstand zum Bezugsmeridian ein Wert von 180000 m eingestellt ist. Dann weisen die Koordinaten einen Easting-Wert von 32320000 oder 32680000 auf. Eine Abbildungsreduktion wirkt bei UTM extrem, wenn sich die amtlichen Koordinaten in der Nähe des Bezugsmeridians befinden (9° östliche Länge; er geht durch das Bundesland Hessen), also einen Easting-Wert von 32500000 haben. Dort ist eine Abbildungsverzerrung von 40cm/km vorhanden.

Eine Abbildungsreduktion wirkt bei Gauß-Krüger nicht, wenn als Abstand zum Bezugsmeridian ein Wert von 0 m eingestellt ist. Die Auswirkung bei Gauß-Krüger ist nicht so intensiv auf Strecken oder Flächen.

Anmerkung: Diese Reduktion wurde schon immer in VESTRA angewendet.

Erdradius legt den Halbmesser der Erde in [m] fest. Voreingestellt ist 6380000,000 m.

Abstand zum Bezugsmeridian gibt den mittleren Abstand des Projekts zum Bezugsmeridian in [m] an.

Der Projektabstand zum Bezugsmeridian leitet sich aus dem Zahlenwert des mittleren Rechtswerts ab.

Aus den Punkten werden die Rechtswerte ermittelt, die größer als 100000 sind. Diese Rechtswerte werden gemittelt. Aus diesem Wert wird der mittlere Abstand zum Bezugsmeridian ermittelt.

Mit der Schaltfläche Aus Projektdaten ermitteln und aktualisieren wird der Wert automatisch aus allen Punkten des Projekts berechnet.

Anmerkung: Bei sehr großen Projekten kann dieser Vorgang einige Zeit dauern.

Die Einstellung ist Grundlage für die Testfunktionen.

Der Abstand zum Bezugsmeridian wird automatisch vom System bestimmt und aktualisiert.

Die automatische Aktualisierung erfolgt

  • bei jedem Programmstart
  • beim Aufruf der Zoom-Funktion Alles zeigen [F6]

Abstand automatisch aus System bestimmen berechnet den mittleren Abstand aus allen Punkten des Projekts.

Wird die Funktion deaktiviert, kann der Wert auch individuell eingestellt werden.

Höhenreduktion

Bei amtlichen Systemen sind die Koordinaten immer auf ein bestimmtes Höhenniveau (Oberfläche des Bezugsellipsoids) projiziert. Dieses Höhenniveau entspricht meistens der Meereshöhe.

Eine Strecke, die nicht auf Meereshöhe gemessen wurde, muss so angepasst werden, dass sie zur Bezugsfläche passt.

Anmerkung: Bei sehr großen Projekten kann die Bestimmung der Werte (Höhe und Abstand zum Bezugsmeridian) einige Zeit dauern.

Beispiel

Liegen zwei Punkte (Punkt A und Punkt B) nicht auf Meereshöhe (Höhe der Bezugsfläche), sondern auf 200 m geodätischer Höhe, muss auf die mit dem Maßband gemessene Strecke zwischen diesen beiden Punkten die Höhenreduktion angewendet werden, damit sie zur reduzierten Strecke auf der Bezugsfläche passt.

Abbildung 2. Gemessene und reduzierte Strecke

Sind für die Punkte A und B amtliche Koordinaten vorhanden, aus denen der echte Abstand, der draußen in der Natur vorhanden ist, berechnet werden soll, muss auch diese Strecke mithilfe der Höhenreduktion angepasst werden. Dieses Mal muss die Strecke vergrößert werden, damit sie mit dem Maßband "draußen" überprüft oder verwendet werden kann.

Die Mittlere Bezugshöhe legt die mittlere geodätische Höhe des Punkts im Projekt in [m] fest.

Sie kann entweder manuell eingegeben oder durch Klicken auf die Schaltfläche Aus Projektdaten ermitteln und aktualisieren berechnet werden.

Aus den Punkten werden die Höhenwerte ermittelt, die ungleich 0,0 sind. Diese Höhenwerte werden gemittelt. Dieser Wert stellt die mittlere geodätische Höhe des Projekts dar.

Anmerkung: Die Mittlere Bezugshöhe wird nicht automatisch aktualisiert. Eine Neuberechnung erfolgt nur durch Klick auf die Schaltfläche Aus Projektdaten ermitteln und aktualisieren.